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Promis für Legalisierung – Hella von Sinnen im Interview

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Promis für Legalisierung: Dies ist mit Sicherheit eines der ehrlichsten Interviews, die je gegeben wurden. Es ist spannend, es ist krass, es ist lustig, es ist Hella pur. Hier also das exklusive Interview von „Promis und mehr“ mit Hella von Sinnen zu ihrer Teilnahme an der Kampagne vom „Deutschen Hanfverband“ (DHV): „Promis für Legalisierung“.

Hella, woher haben Sie den Mut genommen, ein Gesicht der Kampagne „Promis für Legalisierung“ zu werden? Das ist ja ein großer Schritt.

Ganz ehrlich, für mich ist das kein großer Schritt. Das war ein genauso kleiner Schritt, wie zu sagen: Ich bin lesbisch. Für mich sind die Dinge, wenn sie klar sind, dann sind die Dinge klar und ich mache mir da keine Gedanken, ob ich einen Karriereknick haben könnte, schon gar nicht mehr mit 61 Jahren.

Hella von Sinnen

INFO: Hella von Sinnen outete sich mit Cornelia Scheel (Tochter von Mildred und Alt-Bundespräsident Walter Scheel) 1991 beim Bundespresseball als Paar.

Dieser Mut dürfte enorme Auswirkungen auf Hellas Karriere gehabt haben. Und zwar obwohl sie damals eine der ungewöhnlichsten, lustigsten und unterhaltsamsten Figuren der deutschen Fernsehlandschaft war. Aber dann als Frau und auch noch als Lesbe für die großen Samstagabendshows nicht in Frage kam.

Die meisten Promis denken da aber anders und unterstützen diese Kampagne dann lieber doch nicht. Oder wie ist Ihr Eindruck?

Ich war damals überrascht, weil ich schon vor über einem Jahr bei einer Quizstaffel für SAT.1 viele Kollegen angeschrieben habe. Ich hatte zufällig deren Handynummern und ich war wirklich überrascht, dass sich außer dem Klaus Nierhoff und dem Sebastian Krumbiegel niemand bereit erklärt hat.

Also ich war fast erschüttert, entweder über die Tabuisierung des Themas oder über die Feigheit von anderen Prominenten.

Oder ist es Spießigkeit? Irgendetwas liegt ja komplett im Argen.

Hella von Sinnen
hanfverbandKlausNierhoff
Foto: Robert Recker

Wieso sehen Sie Alkohol so kritisch?

Wir sind eine Nation von Alkoholikern und Alkohol ist wirklich die schlimmste Droge, die man dem Körper zuführen kann. Der Alkohol schädigt sämtliche Organe von der Haut bis zum Hirn, es gibt sogar den Verdacht, dass er bei Brust- und Darmkrebs mit zuständig sein könnte. Es ist ein einziger Skandal, wie wir den Alkohol hypen, den Alkohol bei jeder Gelegenheit, jedem, der nicht bei drei auf dem Baum ist, anbieten.

Aber irgendwie gleichzeitig eine kleine Truppe gut gelaunter Kiffer in einer Schublade von Kriminellen und Drogenabhängigen gelandet ist.

Der Georg Wurth vom Deutschen Hanfverband, der hat sich mal mit uns getroffen und uns sehr interessante Informationen gegeben, die größtenteils auf der Seite vom Hanfverband nachzulesen sind. Das geht zurück bis zu den Opiumkriegen, warum Cannabis total gedisst und Alkohol gehypt wird.

Und ehrlich gesagt, sind mir die ganzen politischen Ursachen nicht dezidiert bekannt, ich kann nur rekapitulieren, was ich meine und ich meine, dass Cannabis legalisiert werden muss. Auch damit es gute Läden gibt mit gutem Zeug, damit Cannabis auch nicht gestreckt wird mit irgendeinem Mist und Menschen davon krank werden.

Hella von Sinnen

Promis für Legalisierung: Weil es ungerecht ist

Warum ist die aktuelle Regelung aus ihrer Sicht so ungerecht?

Ich bin mir fast sicher, dass Cannabis oder irgendetwas Leckeres zum Rauchen, ich hätte fast gesagt, bald älter als die Menschheit ist, jedenfalls älter als Alkohol, ich weiß es nicht. Ich halte es einfach nicht für richtig, das Kiffen zu verdammen. Und da geht es mir um Gerechtigkeit, genauso wie ich für die homosexuelle Ehe, also die Ehe für alle, gleichberechtigt mit Adoptionsmöglichkeiten, gekämpft habe.

Es kann meines Erachtens nicht sein, dass in einer (noch sind wir ja eine) demokratischen Gesellschaft, dass da die einen so behandelt werden und die anderen ganz unterschiedlich behandelt werden.

Hella von Sinnen
hanfverbandclaus dieterclausnitzer

Welche Diskriminierung von Kiffern ärgert sie besonders?

Ich hatte hier ein paar nette junge Männer sitzen, die haben mir auch ein paar leckere Joints gedreht. Ich bin keine ausgewiesene Kifferin, ich kann das gar nicht richtig, ich weiß nur, dass ich dafür bin. Auf jeden Fall, diese jungen Männer haben mir auch erzählt, dass Leute, die am Abend eine Tüte geraucht haben, Probleme bekommen. Das Zeug ist scheinbar nicht so ganz abbaubar, also das kannst du noch tagelang nachweisen und Leute, die sich komplett besoffen haben und die noch 0,5 Promille Alkohol im Blut haben, die werden durchgewinkt und jeder, der einen Rest von irgendeinem Cannabis-Produkt im Blut hat, der soll den Führerschein entzogen bekommen und steht auf irgendeiner kriminellen Liste. Also da stimmt doch etwas nicht.

Ich halte das für eine grobe Ungerechtigkeit und ich bin dafür, dass man Cannabis legalisiert oder es muss auch Prohibition geben. Aber man muss mit den gleichen Maßstäben messen, so wie es jetzt läuft, das ist nicht fair. Und deswegen hat es bei mir nicht viel Mut dazu gebraucht, mein Gesicht für diese Kampagne zur Verfügung zu stellen. 

Hella von Sinnen

Hat Dirk Bach auch mal einen Joint geraucht?

Der Dickie hat überhaupt nicht geraucht, der hat auch kein Nikotin geraucht, deswegen kann ich mir vorstellen, dass er keinen Joint geraucht hat, aber er wird Cannabis sicher nicht weggeschoben haben, wenn es in einem Tee war.

Und egal, ob Dirk Bach das getan hat oder nicht getan hat, der Dickie wäre genau auf unserer Wellenlänge, er würde genauso argumentieren, da bin ich mir hundertprozentig sicher. 

Hella von Sinnen
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Promis für Legalisierung: Weil die Kriminalität sinkt

Wieso sehen Sie Alkohol so kritisch?

Ich sage ja selbst auf meinem Foto bei der Kampagne: Ich will legal kiffen, weil ich mit Alkohol so scheiße bin. Ich bin seit über 40 Jahren Trinkerin, ich habe so viele Jahre in Gaststätten gearbeitet, ich kenne mich wirklich sehr, sehr gut aus mit den Wirkungen von Alkohol. Wir haben auch gerade in dieser Corona-Krise die zugespitzte Situation der Übergriffe an Kindern und Frauen durch arbeitslose Männer oder Männer, die nicht mehr die Chance haben rauszugehen, die sich zu Hause besaufen und ihre Familie verprügeln oder gar Schlimmeres antun.

Das muss ich ja nicht beweisen, das weiß jede Katze. Jede Katze weiß, dass Alkohol Persönlichkeitsveränderungen hervorruft. Dass Alkohol anfangs vielleicht ein wenig entspannt, vielleicht ein wenig Angst löst, aber bei denen, die diese Veranlagung haben, löst Alkohol genauso Aggressionen aus.

Du verstehst ja alles falsch, du kannst ja eine Gestik, eine Mimik nicht mehr richtig interpretieren und schon hast du einen in der Fresse, wenn du ein Mann bist. Alkohol ist die schlimmste Droge, die wir haben! Punkt!

Hella von Sinnen

Sie haben selbst erlebt, wie Alkohol Freundschaften zerstört?

Also ganz ehrlich, ich bin seit über 40 Jahren Trinkerin und als Schauspielerin und als Fernsehschaffende habe das natürlich auch geliebt, mich mit Freunden und Kollegen zu besaufen und dummes Zeug zu reden. Jetzt ist es aber mit 61 auch so, dass ich den Kater überhaupt nicht mehr wegstecken kann. Mit 20 Jahren konnte ich mit Kater noch an die Uni gehen und studieren, das kann ich alles heute nicht. Wenn ich heute Alkohol trinke, dann bin ich am nächsten Tag todkrank.

Ich weiß auch, wie ich mit Alkohol oft über die Stränge geschlagen habe, wie ich wirklich Freundschaften kaputt gemacht habe, durch eine unnachgiebige, rechthaberische Attitüde im Suff.

Da mache ich mir auch nichts vor und wenn irgendwo ein Joint rumlag und man saß beieinander, dann haben wir uns alle weggeschmissen vor Lachen und hatten irgendwann alle Hunger. Das muss doch dann bitte die bessere Droge sein!

Hella von Sinnen

Hella, was liegt Ihnen noch zu dem Thema auf dem Herzen?

Es scheint so, dass die Politiker alle Alkohol trinken und vielleicht nicht so viele von ihnen kiffen. Ich möchte, dass sich ein paar kiffende Politiker endlich mal dahinter klemmen! Also wenn es in Amerika möglich ist, dass in einigen Staaten Cannabis legal ist, dann finde ich können wir denen, zumindest in diesem Punkt, hinterherhoppeln. 

Hella von Sinnen
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Foto: Julian Pawlowski

In dem Punkt sind sich übrigens Hella von Sinnen und Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke einig. Benecke sagt dazu im Interview mit „Promis und mehr“:

Ich finde fast wichtiger, dass in den Staaten, in denen Cannabis legalisiert wurde, sofort die Verbrechensrate abfiel: In Colorado gab es nach nur einem halben Jahr nach der Cannabis-Freigabe sechzig Prozent weniger Morde, sowie zwischen 12 bis 40 Millionen Dollar in Geld umgerechnete, verfügbare Arbeitszeit bei der Polizei.

Dr. Mark Benecke

Das ganze Interview kann hier nachgelesen werden.

“Promis für Legalisierung” ist Teil der DHV-Kampagne “Mehrheit 2020”, zu der auch das neue Informationsportal cannabisfakten.de gehört.

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