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Hanfverband + auch Lauterbach: Legalisierung = Jugendschutz

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Fotos: Deutscher Hanfverband, KarlLauterbach.de

Hanfverband zeigt auf, wie die Legalisierung sofort praktisch umgesetzt werden kann. Und: Sind die Argumente der Polizeigewerkschaften sachlich falsch?

Die Legalisierung von Cannabis war nie so nah und realistisch. Grüne und FDP hatten sich schon vor der Wahl dafür festgelegt. Jetzt hat sich sogar auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach für die Legalisierung ausgesprochen. Plötzlich melden sich die beiden Polizeigewerkschaften zu Wort. Mit Argumenten, die Georg Wurth vom „Deutschen Hanfverband“ (DHV) im Interview gegenüber „Promis und mehr“ widerlegen kann.

Herr Wurth, was erwartet der Deutsche Hanfverband von der kommenden Regierung?

Wenn es wirklich zu einer Ampel-Koalition kommt, sollten Grüne und FDP die Legalisierung von Cannabis durchsetzen. Sie sind beim Thema Legalisierung einig und zusammen sind sie stärker als die SPD, die programmatisch auch nicht weit weg ist von der Legalisierung.

Die SPD müsste nur überzeugt werden, die vorgeschalteten Modellprojekte wegzulassen. Erkenntnisse gibt es schließlich mittlerweile genug.

Wenn nur kommunale Modellprojekte zur Cannabisabgabe und die Entkriminalisierung der Konsumenten vereinbart werden, wäre das 100 Prozent SPD-Position und eine Niederlage für Grüne und FDP.

So oder so können wir wohl einen großen Schritt nach vorn erwarten.

Georg Wurth

Das dürfte feststehen, besonders nachdem der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach der „Rheinischen Post“ dieses Statement gab:

Jahrelang habe ich eine Cannabis-Legalisierung abgelehnt. Mittlerweile komme ich als Arzt aber zu einem anderen Schluss. (…)

Ich bin deswegen dafür, dass wir in einem möglichen Koalitionsvertrag mit Grünen und FDP einen Passus zur legalen und kontrollierten Abgabe von Cannabis an Erwachsene formulieren.

Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte
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Georg Wurth, DHV-Sprecher, gewann 2014 die Millionärswahl bei ProSieben und damit eine Million Euro für sein Vorhaben Cannabis in Deutschland zu legalisieren – Foto: Deutscher Hanfverband

Die praktische Umsetzung der Legalisierung von Cannabis

Aber wie würde eine Legalisierung praktisch aussehen? Herr Wurth, was erwarten Sie als Maßnahmen einer neuen Regierung, die nicht mehr in den alten Mustern feststeckt zum Thema Cannabis? Was wäre eine denkbare „Schnellverordnung“, die direkt umgesetzt werden kann und muss? Welche Änderungen hätten aus Sicht des DHV Zeit?


Die Cannabis-Prohibition verfehlt nicht nur ihr Ziel der Konsumreduzierung, sie richtet Schäden an, jeden Tag.

Von daher ist keine Zeit zu verlieren. Allerdings kann man natürlich nicht am Tag nach
einem Grundsatzbeschluss für Legalisierung Cannabis-Fachgeschäfte eröffnen.

Es kann Jahre dauern, bis die Details ausgehandelt sind und ein Gesetz verabschiedet wird, Lizenzen vergeben, Cannabis angebaut, geerntet und in die Shops transportiert wird.

In den USA läuft es regelmäßig nach Volksentscheiden pro Legalisierung so, dass die Entkriminalisierung der Konsumenten beim Besitz bestimmter Mengen und beim Anbau einiger Pflanzen zum Eigenbedarf sofort in Kraft tritt und der legale Handel dann ein bis zwei Jahre auf sich warten lässt. So ähnlich dürfte es auch bei uns sein.

Auch Verbesserungen für Cannabiskonsumenten in Führerscheinfragen dürften sich relativ schnell umsetzen lassen.

Georg Wurth
hanfverbandpolizei
DHV-Plakataktion – Foto: Deutscher Hanfverband

Warum wehren sich die Polizeigewerkschaften so vehement gegen die Legalisierung?

Es geht allen, die eine Legalisierung fordern, ausschließlich um eine legale Abgabe an Erwachsene. Natürlich würde in einem Fachgeschäft das Alter kontrolliert werden. Eine Aufgabe, die der Dealer auf der Straße sicher niemals übernehmen würde.

Trotzdem fordern ausgerechnet die beiden Polizeigewerkschaften, dass es keine Legalisierung geben dürfe. Und sie berufen sich auf den Jugendschutz. Der Hanfverband hat dazu eine klare Haltung. So würden beide Polizeigewerkschaften in ihren Statements davon ausgehen, dass der Konsum von Cannabis nach der Legalisierung dramatisch zunehme.

Für diese These gibt es aber laut DHV-Informationen weder eine wissenschaftliche Grundlage, noch gibt es in den Ländern, die bereits legalisiert haben, einen wesentlichen Konsumanstieg.

Georg Wurth

Georg Wurth hat noch eine Theorie, warum die Polizei sich gegen die Legalisierung wehrt:


Die Legalisierung von Cannabis führt in Teilen der Polizei zu einer Sinnkrise. Daran hängt schließlich auch das Eingeständnis, dass die Polizei mit der Mission, Cannabis aus der Gesellschaft heraushalten, gescheitert ist.

Das ist schwer zu ertragen, wenn man teilweise jahrzehntelang Drogenfahnder war und jetzt erkennen soll, dass diese Arbeit eher Schaden angerichtet hat anstatt die Jugend zu schützen.

Georg Wurth

Haben Sie irgendein Verständnis dafür, warum sich überlastete Polizisten, Staatsanwälte und Richter mit Kiffern beschäftigen (müssen?).

Im Gegenteil, ich halte es für verfassungswidrig, Menschen mit dem Strafrecht zu bedrohen, die niemand anderem schaden.

Georg Wurth

In den letzten Jahren wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass gigantische Überstunden bei der Polizei aufgelaufen seien. Müsste nicht alleine unter diesem Aspekt die Legalisierung von den Polizeigewerkschaften nicht begrüßt werden?


Mein Eindruck ist, dass die Gewerkschaften das Drogenthema lieber nutzen, um ihre Forderungen nach mehr Personal zu untermauern.


Gleichzeitig wird nicht nur wegen der Überstunden gejammert, sondern auch weil zum Beispiel nicht genug Personal da ist, um Gefährder zu überwachen.


Dass so viele Polizeistunden für harmlose Hanffreunde verfeuert werden, kann also auch zu ernsthaften Gefahren führen.

Georg Wurth
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Hella von Sinnen – Foto: Deutscher Hanfverband

Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und Rassismus als Auslöser für das Cannabisverbot

Dazu passt die Geschichte des Hanfverbotes. Der SWR warf einen Blick in die Geschichte des Verbotes in den USA. Und da war das Verbot tatsächlich eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für diejenigen, die durch die Aufhebung der Prohibition sonst ohne Job gewesen wären:

1933 war Alkohol zwar wieder erlaubt, aber dafür wurde dann Cannabis in den USA verboten. Das hängt zusammen, denn durch das Ende der Prohibition wären tausende Leute arbeitslos gewesen, die bei der Behörde gearbeitet haben.

Statt auf Alkohol hat sich die Behörde dann unter anderem auf Cannabis konzentriert. Der Hauptverantwortliche dafür war Harry Anslinger, der Leiter der Behörde.

SWR3

Und es war Anslinger, der 1961 durchsetzte, dass Cannabis als eine „der gefährlichsten Drogen der Menschheit“ klassifiziert wurde.

Doch es kommt noch krasser:

Bei dem Verbot hat aber nicht nur Eigennutz eine Rolle gespielt, sondern auch Rassismus. Cannabis, so hieß es, sei die Droge der Schwarzen und Latinos, es mache gewalttätig, verändere die Persönlichkeit oder führe zu unkontrolliertem sexuellem Verhalten.

Das haben schon damals die meisten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler widerlegt. Verboten wurde Cannabis trotzdem und das wurde ein Grund, gegen Schwarze vorzugehen.

Viele andere Länder haben das nachgemacht, teilweise auch nach Druck der USA.

SWR3
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Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke – Foto: Deutscher Hanfverband / Julian Pawlowski

Cannabis-Legalisierung und der Straßenverkehr

Was sagt der DHV zu dem Argument, dass eine Legalisierung den Straßenverkehr gefährlicher machen würde?

Die Annahme, dass sich nach der Legalisierung mehr Cannabiskonsumenten berauscht ans Steuer setzen, nur weil sie das Cannabis legal und nicht auf dem Schwarzmarkt erworben haben, entbehrt jeder Grundlage.

Stattdessen brauchen wir eine faire und nachvollziehbare Neuregulierung zu Cannabis und Straßenverkehr, um Führerscheinentzüge bei nüchternen Fahrern zu vermeiden, wie es heute ständig passiert.

Georg Wurth

Tatsächlich wird regelmäßig vielen Menschen der Führerschein entzogen, weil sie mehrere Tage vor der Autofahrt Cannabis konsumiert haben und das THC noch im Blut nachweisbar ist. Und das, obwohl ganz klar feststeht, dass der Wert viel zu gering ist, um in irgendeiner Form berauschend zu wirken.

Übrigens gibt es weltweit drei Millionen Alkoholtote pro Jahr. In Deutschland alleine waren es 74 000 im Jahr 2020. Die Zahl der weltweiten Cannabistoten liegt bei NULL!

Weitere Artikel zu dem Thema:

Promis für Legalisierung – Hella von Sinnen im Interview

Promis für Legalisierung – DR. MARK BENECKE im Interview

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