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„Sommerhaus der Stars“: Parallelen zum Dritten Reich?

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Fotos: TVNOW

Das „Sommerhaus der Stars“ dürfte wohl die Fernsehsendung sein, die 2020 die Zuschauer am meisten emotionalisiert hat. Diversen Umfragen zufolge dürften circa 90 Prozent der Zuschauer auf der Seite der gemobbten Evanthia Benetatou stehen. Es ist aber auch fast unerträglich zu sehen, mit welcher Selbstverständlichkeit und Ausdauer nach Evas Fehlern gesucht wird. Und da eigentlich außer der Geschichte mit Mangold nichts gefunden wird, muss eben diese angebliche Verfehlung von Eva immer und immer wieder herhalten.

Wurde jemals von irgendeinem Sommerhaus-Bewohner Bachelor Andrej Mangold gefragt, warum er mit Eva ins Bett gestiegen ist, obwohl er doch Jenny liebte? Zu sehen war davon jedenfalls nichts, vielleicht lag es am Schnitt, aber wahrscheinlicher ist, dass das Feindbild nicht beschädigt werden sollte.

Da dürfte sich so manche Feministin fragen, wofür sie jahrelang gekämpft hat. Denn dahinter steht die Einstellung, dass eine Frau keusch und rein auf den Richtigen zu warten hat. Und wenn sie da auf den Falschen setzt, dann ist sie selbst schuld, besudelt und unrein. Dann soll sie sich verkriechen und den Mund halten. Es ist erfreulich, dass die Mehrheit in Deutschland sich in diesem Punkt offensichtlich weiterentwickelt hat.

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Fotos: TVNOW

„Sommerhaus der Stars“ und „Psychologie der Massen“

Genau genommen ist das „Sommerhaus der Stars“ und Reality-TV allgemein überhaupt nicht so trashig wie angenommen. Es handelt sich jedes Mal um ein Sozialexperiment mit völlig ungewissem Ausgang. Michael Tomaschautzki weist auf Instagram in seinen Posts auf die Parallelen zum Dritten Reich hin. Auf das Buch „Psychologie der Massen“ und das verfilmte Buch „Die Welle“. In „Psychologie der Massen“ wird das Verhalten von Menschen in größeren Menschenansammlungen beleuchtet. In „Die Welle“ geht es um einen Lehrer, der in einem Sozialexperiment seinen Schülern zeigen will, wie autokratische faschistoide gesellschaftliche Strukturen entstehen. Doch das Experiment gerät außer Kontrolle.

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Foto: Instagram / Michael Tomaschautzki

Und es gibt tatsächlich Gemeinsamkeiten. Die Juden wurden als die Schuldigen für die Probleme der damaligen Zeit ausgemacht, das angebliche „Finanzjudentum“ habe die Weltwirtschaftskrise verursacht, wurde behauptet, so konnten sich Menschen in schwierigen Zeiten voller Existenzängste selbst entlasten.

Auch das „Sommerhaus der Stars“ wird von allen Beteiligten als extremer Stress beschrieben. In dieser Situation ist es für uns Menschen nun einmal so verführerisch, sich ein Ventil zu suchen. Zusätzlich ist das Mitglied der Mehrheit zunächst einmal scheinbar sicher. So auch im Sommerhaus, wenn klar ist, dass alle Eva rauswählen, sobald das möglich ist.

Nach dem Dritten Reich fragten sich viele Nachkommen der Täter selbst, was hättest ich damals getan? Hättest ich wirklich den Mut gehabt, wie zum Beispiel die Geschwister Scholl, mich den Nazis entgegenzustellen und dafür selbst in den Tod zu gehen? Oder übertragen auf das Sommerhaus: Wer hätte auf die 50 000 Euro und vor allem den Ruhm und die Aufmerksamkeit verzichtet, um Eva beizustehen? So wie Iris und Peter Klein? Oder Diana Herold und Michael Tomaschautzki?

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Die Lehre aus dem „Sommerhaus der Stars“: Liebe statt Hass!

Jetzt dürfen die Zuschauer nur nicht den Fehler machen und im Großen genau das tun, was sie im Kleinen im Sommerhaus gesehen haben. Und da sind im Netz leider schon extreme Tendenzen zu sehen. Doch nur weil Andrej Mangold, Jennifer Lange, Lisha und Lou, Caroline und Andreas Robens oder die Pharos sich falsch verhalten haben, ist das kein Freibrief für die Masse draußen, nun ihrerseits diese Menschen zu mobben und zu versuchen, deren Karrieren zu zerstören.

Im Moment sind viele Menschen durch Corona ebenfalls belastet, unter Stress und haben Existenzängste. Aber wer sich jetzt entlastet, indem er mit der großen Menge auf einige wenige draufhaut, der macht genau das, was er Andrej und Co. vorwirft. Besser ist es da, sich an Beispiel an den „Helden“ des Sommerhauses zu nehmen. Denn von Iris, Peter, Michael, Diana, Chris und nicht einmal von Eva ist jemals die Aufforderung gekommen, die anderen mit Hass zu verfolgen.

Im Gegenteil: Team Spirit, also Diana Herold und Michael Tomaschautzki rufen täglich auf Instagram dazu auf Liebe statt Hass zu schenken. Für Diana ist, zum Beispiel, Lisha aus der Kindheit geschädigt und Diana wünscht, dass Lisha es schafft, sich durch Selbstreflektion zu entlasten und zu heilen. Diana und Michael rufen diejenigen, die sich gegen Mobbing engagieren wollen, dazu auf, sich an ihrem Projekt 49care51share zu beteiligen.

Die unbeliebten Sommerhaus-Kandidaten haben sich sowieso vor der ganzen Nation blamiert, das ist Strafe genug.

Kommentare

Antworten
  1. Natürlich soll niemand zu Hass etc. aufrufen. Aber deutlich zu sagen, wie man das findet, was Lisha und Lou, die Pharos und auch Caro Robens und ihr Mann Andreas dort abgezogen haben, muss erlaubt sein. Es kann nicht angehen, dass solchen Leuten auch noch das Gefühl gegeben wird, sich auch nur annähernd richtig verhalten zu haben. Leider ist die Selbstreflexion der betreffenden Personen aber gleich Null. Sie bauen sich eine eigene Wahrheit, die keine ist, auf und klammern sich daran. Sonst müssten sie sich ja auch eingestehen, wie klein und armselig das war, was sie da gemeinsam abgezogen haben. Ich wusste von Lisha und Lou vor dieser Sendung nichts, ebenso kannte ich weder die Pharos noch die Robens. So, wie Lisha sich durchgängig verhält, scheint sie ein Mensch zu sein, der permanent Bestätigung braucht. Schon die kleinste Kritik bringt sie so auf die Palme, dass sie in einer Art und Weise um sich schlägt, dass man nur mit dem Kopf schütteln kann. Ihr Mann blickt zu ihr auf und glaubt bedingungslos an das, was sie von sich gibt. Eine eigenständige Meinung hat er kaum einmal. Dass beide aus Verhältnissen kommen, die, sagen wir mal, schwierig gewesen sein müssen, ist wohl kein Geheimnis und erklärt zumindest ein wenig ihr Auftreten. Das Verhalten der beiden älteren Pärchen – und hier vor allem der Pharos – ist unentschuldbar. Sie folgen (Andreas allerdings nur anfangs) dieser Lisha quasi wie Schoßhündchen und wagen nicht den Anflug einer Widerrede. Wie können Menschen in diesem Alter so dumm sein und nicht sehen (wollen?), was da passiert. Haben sie Angst selbst in den Fokus von Lisha zu geraten, die ja bei der kleinsten Kritik an ihr sofort ihre eben noch versicherte Sympathie ins Gegenteil verkehrt und in einer Art und Weise (über)reagiert, die unfassbar ist. Das Geld allein kann es nicht sein, denn warum sollten die Pharos, die kaum ein Spiel gewonnen und immer wieder gezeigt haben, wie unbedarft sie sind, die Hoffnung haben, ausgerechnet das Finale für sich entscheiden zu können. Diesem Somerhaus „der Stars“ zu folgen, tut tatsächlich richtig weh, weil es oft kaum zu ertragen ist, wie erst der Bachelor plus Partnerin und dann als seine Rächerin Lisha sich dort aufführen ohne selbst zerrissen zu werden von dieser Art mit anderen Menschen umzugehen.

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