Wer die wahre Schuld am Dschungelcamp-Desaster trägt
Und: Gil Ofarim sprach im Dschungelcamp über zwei fehlende Sekunden in einem Video: Die gab es wirklich
Ein Kommentar der Autorin Sigrid Schulz
Die Wahl von Gil Ofarim zum Dschungelkönig 2026 spaltet die Gemüter. Beide Seiten hatten ihre Argumente, die trotzdem niemals so ein richtig rundes Bild ergaben. Und dann war da ja noch die Frage: Hatte RTL die Wahl von Gil zum Dschungelkönig von Anfang an geplant?
Der ausschlaggebende Grund für die völlig gegensätzlichen Positionen waren nicht etwa fehlende Informationen und/oder dass sich der Hotelmitarbeiter erst so spät zu Wort gemeldet hatte. Im Podcast „Apokalypse und Filterkaffee“ bringt das Gespräch zwischen Dschungelcamp-Autor Micky Beisenherz und Zeit-online-Redaktionsleiterin Anne Hähnig, die sich seit Jahren intensiv mit dem Fall beschäftigt, für mich jedenfalls endlich Aufklärung.
Anne spricht von einer Vermutung, die sie schon vor Beginn des Dschungelcamps gehabt und die sich dann bestätigt habe:
Dass RTL sich nicht gut vorbereitet und journalistisch blank da rein geht.
Sie sei davon ausgegangen, dass Gil im Dschungel andeuten werde, dass an der Geschichte etwas nicht stimme, so Anne. Die Wahrheit sei, dass die Faktenlage im Fall Gil völlig eindeutig sei. Es sei auf einem Niveau ermittelt worden, wie sonst nur bei Mordfällen, das habe die Polizei selbst eingeräumt.
Die wahre Ursache für den Eklat
Anne sagt, dass es für alles viele Zeugen gab. Hier ihre Beschreibung, die für mich das ganze Mosaik zusammen setzt (Die Zusammenfassung von Annes Aussagen in Schrägschrift):
Gil will einchecken und muss volle 20 Minuten warten, was natürlich extrem nervig und ärgerlich ist. Der Davidstern war nicht zu sehen. Es stimmt, dass zwei Sekunden von einer Video-Aufnahme gefehlt haben. Aber: Diese zwei Sekunden fehlten bei der Video-Aufnahme einer Kamera, die aus einem Winkel aufgenommen hat, auf dem Gil gar nicht zu sehen war.
Das entspricht der Aussage des Anwalts von Gil, der tatsächlich auf Instagram eingeräumt hatte, dass diese zwei Sekunden nicht relevant seien. Weiter mit der Zusammenfassung von Anne:
Gil kommt endlich dran, aber sein Gespräch mit dem Hotelmitarbeiter dauert nachweislich nur 26 Sekunden. Für den Inhalt des Gesprächs gibt es zahlreiche Zeugen. Demnach hat sich Gil sofort aufgeregt und dem Mitarbeiter angekündigt, dass er gleich auf dem Zimmer in einem Video veröffentlichen wird, wie schlecht dieses Hotel sei. Der Mitarbeiter zieht daraufhin den Anmeldezettel zurück und verweigert Gil die Übernachtung.
Die Wut von Gil ist absolut verständlich. Nach der langen Wartezeit ohne Zimmer dazustehen. Ein Video-Call mit der Tochter ist geplant. Dazu kommt, dass Gil beruflich unterwegs ist und nun seinem Auftraggeber erklären muss, wieso er ein anderes Hotel braucht.
Gil sei also völlig zu recht sehr wütend gewesen, aber die Veröffentlichung der Antisemitismus-Vorwürfe seien nicht im Affekt passiert, so Anne. Wegen einem Problem bei Instagram, habe Gil das Video erst am nächsten Morgen hochladen können.

Wer sich wirklich entschuldigen müsste
Ich bin mit Anne völlig einer Meinung, wenn sie RTL als schuldigen Part in dieser Geschichte sieht. Denn ganz klar hat Gil mit seinen Andeutungen über das Video und seinen falschen Behauptungen damit wieder den unschuldigen Hotelmitarbeiter an den Pranger gestellt. Aber diesmal, dank der Hilfe von RTL, vor einem Millionenpublikum.
Da wird einfach so stehengelassen, dass Gil angeblich nicht reden darf, die zwei fehlenden Sekunden werden nicht einem unwichtigen Video zugeordnet und die knallharte Lüge, dass Gil freigesprochen worden sei, wird nicht richtiggestellt. Ich finde auch, dass die Camper reden können, was sie wollen, natürlich auch Gil. Aber dass RTL zu einer Einordnung verpflichtet ist.
Dazu habe RTL die anderen Camper im Stich gelassen, so Anne. Denn alle Kritiker im Camp von Gil hätten plötzlich vor dem Millionenpublikum schlecht dagestanden, weil sie ja , im Gegensatz zu den verpassten Möglichkeiten von RTL, die Behauptungen von Gil im Camp nicht widerlegen konnten.

Ich bin wie Micky teilweise darauf reingefallen
War alles von RTL so geplant? Micky betont:
Es ist nicht so, dass es jemals den Plan gegeben hätte, dass er das Ding gewinnt.
Die mangelnde Hintergrundinformation räumt Micky ein. Er habe tatsächlich selbst durch Gils Aussagen Zweifel daran bekommen, ob das damals wirklich so passiert sei.
Zu Mickys Aussage muss ich sagen, dass es mir genauso ging. Ich habe ja immer wieder sehr intensiv während dem Dschungel recherchiert. Und trotzdem war die Geschichte für mich lange Zeit nicht rund. Immer wieder habe ich mich gefragt: Wurde Gil etwa furchtbares Unrecht getan?
Endgültig klar wurde mir alles erst, als Gil behauptete, dass er freigesprochen worden sei, obwohl er vor dem Dschungel genau zu diesem Thema das Stern-Interview gegeben hatte. Seit dem habe ich überhaupt keinen Zweifel mehr daran, dass Gil ganz bewusst lügt und manipuliert.
Aber auch für mich trägt hier RTL die Schuld. Sogar Micky gibt zu, dass diese Einordnung auf witzige Art im Baumhaus hätte erfolgen können. Aber die Entwicklung von Gil zum Dschungelkönig habe er am Anfang überhaupt nicht für möglich gehalten und als klar wurde, dass die Stimmung ins komplette Gegenteil gekippt war, da sei das auch nicht mehr zu bremsen gewesen, so Micky.
Das sehe ich anders. Es ist mir auch egal, ob Gil Dschungelkönig ist oder nicht, aber der Schutz des Opfers wurde, aus meiner Sicht, von RTL furchtbar vernachlässigt.
Ich schätze durch diesen Vorfall die Öffentlich-Rechtlichen-Medien jetzt wieder wesentlich mehr und wünsche mir eine Begrenzung der Macht von RTL. Weil das jetzt mit dem Dschungel ist nicht so wichtig, aber was ist, wenn RTL das auch bei anderen Themen so handhabt? Mir macht das Angst.
Zu dem großartigen Podcast mit Micky und Anne geht es hier: Klick
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